Am Ende eines langen Tages. Oder was Jean Paul mit einer Praline zu tun hat.

An einem wunderbaren Herbstsonnensamstag machte ich mich auf.
Um zu Reisen.
Nach Bayreuth.
Über viele andre Orte.
Aber das ist eine andre Geschichte.
Und die soll an andrer Stelle erzählt werden.
Da war ich also den ganzen Tag unterwegs.
Und fahndete nach unsrem Dichter.
Nach Jean Paul.

Ich lief durch Straßen.
Viele, sehr viele Straßen…
Brachte Fahndungsplakate an.
Steckte Fahndungshandzettel in unzählige Briefkästen.
Und machte mir Gedanken.
Viele, sehr viele Gedanken.
Über das, was ich gerade tat.
Über die Menschen.
Über’s Lesen.
Über Bücher.
Und…
… über’s Reisen.

Jean Paul sagt dazu:
„Reisen macht Herz und Fersen hart.“

Hhhhmmmm…
Na ja, zumindest macht es müde.
Die Füß‘.
Und das Hirn!
(Vor allem wenn man den Dichter mit rumschleppt…)

So wurde das Land langsam dämmrig…
Und ich dachte:
“ Jetzt reichts! Genug für Heut.“
Meine müden Füße, und vor allem das nun doch matte Hirn, nach einem ganzen Tag mit Jean Paul, wollte ich auf dem Sofa einer Freundin, etwas kurieren.
Bevor ich dann die Heimreise ins Fichtelgebirge antreten wollte…

Da saß ich nun also aauf dem Freundinnensofa.
Ich glaubte für heute dem Dichter entkommen zu sein.
Keine zwei Minuten.
Es klingelte.
Nein, es war nicht JP.
Es war ML.
Ich freute mich.
Ich freute mich nicht.
Ich dachte mir:
„Na, das hat ja jetzt toll geklappt! Mit dem Jean Paul-Entkommen.“

Der oder die geneigte Leser/in denkt jetzt sicher:
„Haääää?“

Erklärung:
ML – kein Er.
Eine Sie.
Eine Theaterfrau.
Und Jean Paul-Liebhaberin!
Und diese Sie inszeniert momentan den „Siebenkäs“.
An der Studiobühne in Bayreuth.

Jaaaaa…
…genauuu…
Der „Siebenkäs“ ist von Jean Paul.
Premiere ist am Vorabend des 250. Geburtstag des Dichters.
Wie schön!
So kann dann danach gleich noch in den Geburtstag, am 21.03.2012, mit einem (oder auch mehr…) Gläschen, hineingefeiert werden…
(Dem Alkohole doch recht zugeneigt, hätte das JP sicherlich gut gefallen…)

So saßen wir dann zu viert auf dem Bayreuther Freundinnensofa.
Drei Frauen und Jean Paul.
(Das hätt‘ dem Guten, dem Dichter, sicherlich auch gefallen…)
Und die Nacht senkte sich über’s Land.

Der oder die geneigte Leser/in fragt sich jetzt sicher:
“ Wann kommt denn endlich das mit der Praline…?“

Ich sag:
„Gleich.“

Nie zuvor hab‘ ich jemanden so begeistert, und mit soviel Liebe, von dem Dichter sprechen hören.

Ich hörte von der Besonderheit seiner Sprache.
Von dem „Immmernochnichtlangweiligwerden“ der Texte von Jean Paul.
Auch nicht nach über 30 (!) Jahren intensivster Beschäftigung damit.
Ich hörte, dass niemand je seinen Figuren so schöne Namen gegeben hat…
„Firmian Stanislaus Siebenkäs.“
„Everard Rosa von Meyern.“

Ich hörte von der Vermutung, das „Kuhschnappel“ bestimmt Münchberg ist…
Ganz bestimmt…
Entgegen anders lautenden Vermutungen…

Und dann hörte ich:
Jean Paul-Texte sind wie Pralinen.
So besonders.
So edel.
Und so müssen sie auch genossen werden.
Gaaaaannnzzzz laaaaaangsaaaaammmm.
Bissen für Bissen.
Und ja nicht zu viel auf einmal.“

Und ich dachte so bei mir:
„Sonst wird einem schlecht davon….???“
„Vielleicht…???“

Vielen Dank ML für diesen ganz wunderbaren Vergleich!
Soviel Begeisterung macht Lust, sich doch einmal näher mit den Werken des Dichters zu beschäftigen.
Und der „Pralinenvergleich“ (Denn Vorsicht! Bei übermäßigem Konsum können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten…) nimmt den Frust, sollte man sich nicht gleich durch einen kompletten Wälzer durchkämpfen können.
Zumindest mir.
Und vielleicht nun auch dem oder der einen oder andren geneigten Leser-in.
(Das würd mich doch sehr freuen).

So saßen wir zu viert auf dem Freundinnensofa.
Und die Nacht war da.
Wir blickten hinaus.
In die Dunkelheit.
In den Bayreuther Freundinnengarten.
Da stellten wir fest:
Der Dichter hatte seine Laterne vergessen!
Im Baum der Freundin…

Aber auch das ist eine andre Geschichte.
Und soll ein andermal erzählt werden.

Und sollte jetzt der oder die eine oder andre sich fragen:
„Ist das alles ernst gemeint?
Oder wie?
Oder was?“

Dem sag ich nur:
„Tja…“

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