Die Schweiz. Jean Paul. Und Peter Bichsel.

bild einer schweizer flagge

12 Tage nach dem Weltuntergang.
Der 2. Tag des neuen Jahres.
43 Tage bis zum kontrast-Filmfest 2013 in Bayreuth.(Huuuchhhh!!!)

Ich muss sagen, dass ich nun eine gewisse Anspannung nicht verleugnen kann …
Denn dort, auf dem oben genannten Filmfest, gibt’s die Abschlusspräsentation von „Wer kennt diesen Mann?“ …
… damit is natürlich der Jean Paul gemeint, war doch klar, oder?

Jetzt hab‘ ich also 3 Monate nach Hinweisen zu diesem Dichter gefahndet …
Ich hatte interessante Gespräche und Begegnungen …
Ja, auch mit lebenden Personen …
Und habe viele Hinweise bekommen.

Einen auch aus der Schweiz.
Von einer Germanistin.
Einer sehr Netten.

Von einer, mit der ich am „irren See“ war.
Im August.
Letzten Jahres.
Bei ’ner andren deutschen Schweizerin.

Zum Schreiben …
Zum Sprechen …
(Wer sich jetzt fragt: häää??? Wer nicht weiß‘, von was ich nun schreib‘ … der klicke doch mal hier:

Meisterklasse Lyrik 2012 – Petra schreibt Sprechtexte

Du meine Güte, is das schon wieder lang her …

Aber nun wieder zurück.
Zum Thema.
Zu Jean Paul.

Hier der Beitrag von Esther.
Aus der Schweiz:

Jean Paul

In der Schweiz haben viele Menschen, die nicht lesen, den Namen Jean Paul doch schon gehört, alle aus demselben Mund, dem des Schriftstellers Peter Bichsel. Bichsel ist in der Schweiz der Anwalt der Bücher von Jean Paul. Selber einst Lehrer, schrieb er für das Insel-Taschenbuch Lebens des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz in Auenthal das Nachwort. Dieses Büchlein trug ich eine Weile aus purer Verehrung für Bichsel stets bei mir, bevor ich es schließlich las, hingerissen von so viel Talent des Wutz zum Glücklichsein und des Jean Paul zu menschenfreundlicher Ironie.

Ich schloss gleich noch einen Jean Paul an: Flegeljahre. Das hatte mit der Ausgabe zu tun. Aus der renommierten Taschenbuchreihe Exempla Classica der Fischer Bücherei hatte ich bereits „Das Odfeld“ gelesen. Sein Autor Wilhelm Raabe gehört bis heute zu meinen Hausgöttern. Während „das Odfeld“ mich zu Tränen gerührt hatte (– ja, Sie dürfen sich über mich wundern –), weinte ich am Anfang der „Flegeljahre“ Lachtränen.

Ich könnte die Geschichte nicht mehr erzählen. Aber sie beginnt mit einer Testamentseröffnung. Sieben Verwandte finden sich ein. Sie gehen leer aus. Allenfalls das Haus des Onkels könnte an einen von ihnen gehen. Nämlich an den, der als erster in der nächsten halben Stunde eine Träne um den Verstorbenen weint. Wie sie nun alle versuchen, sich selbst in Rührung zu versetzen, ist ganz wunderbar.

An diese Szene musste ich in den letzten Jahren oft denken. Obwohl es nichts zu lachen gibt bei meinem Anlass dazu. Ich habe auch einen Onkel. Die Welt kommt ihm seit zehn Jahren mehr und mehr abhanden. Immer wieder wollte ich den Umschlag mit der Aufschrift „Testament“ suchen, den ich vor vielen Jahren einmal gesehen hatte. Und jedesmal, wenn meine Freunde mir ausmalten, wie dumm die Sache für mich ausgehen könnte, fiel mir der Anfang der „Flegeljahre“ ein, und statt besorgt zu sein, musste lächeln.

Was weiß ich noch über Jean Paul?
Weil der West-östliche Divan ein Schwerpunkt meiner Germanistikprüfungen war, las ich erfreut, wie Goethe in seiner Abhandlung zum Divan Abbitte leistet gegenüber Jean Paul, über den er sich einst mit Klassik-Kollege Schiller lustig gemacht und den er als „Mondkalb“ und „Tragelaph“ bezeichnet hatte.

In Frankreich liess Madame de Staël in der französischen Fassung der Rede des toten Christus vom Weltgebäude (das war der erste längere Text des Literaten, den ich gelesen habe, Anm. der Autorin) herab, dass kein Gott sei (aus dem Roman „Siebenkäs“) kurzerhand die Rahmenhandlung weg und machte Jean Paul so zum Nihilisten.

Und:
JP sagte von sich, er schreibe wie ein spazierengehender Hund.
JP liebte es, das Wetter vorherzusagen.
JP hatte die Idee, im Alter alle seine Bücher zu einem einzigen zusammenzuschmelzen.
JP hörte einfach auf zu schreiben, als sein Sohn starb.

Und: In „Der Komet“ gibt es eine Figur, die heisst wie der Bach, der durch mein Dorf fliesst: Worble.

Esther Ackermann, Lic. phil.
Worb (Schweiz)

Liebe Esther, ich danke Dir sehr herzlich!
Die Blogautorin.

Ein Kommentar zu “Die Schweiz. Jean Paul. Und Peter Bichsel.

  1. Mich hat ebenfalls Peter Bichsel vor Jahren zu Jean Paul geführt. Ich wurde neugierig durch eine Rede, die er anlässlich irgendeines Anlasses in Bayreuth zu Jean Paul gehalten hatte (und die in irgend einem Luchterhandbuch publiziert war). Meine erste Jean Paul Lektüre war Quintus Fixlein und ich bin bis heute Jean Paul- (und Peter Bichsel-) Leser.

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